Wir sind den Stevenson-Weg in der 2. Hälfte April 2024 gewandert, mit dem Wissen, dass es noch früh im Jahr ist und das Risiko von Schnee und garstigen Temperaturen absolut besteht. Doch wollten wir auf keinen Fall im Voraus alle Übernachtungen buchen. Im April sind noch viele Unterkünfte auch spontan verfügbar, aber auch einige Gîtes sind noch im Winterschlaf. Um die Wanderung flexibel zu gestalten, haben wir dann auch unser Zelt mitgetragen, haben es dann aber nur gerade für 2 Nächte benötigt. Die Anfahrt nach Le-Puy-en-Velay mit öffentlichem Verkehr ist problemlos, ist dieses Städtchen doch bei Jakobs-Pilgern bestens bekannt. So ist auch der Pilger-Groove gut spürbar in Le Puy, jedoch wandert die grosse Mehrheit Richtung Westen, also Compostela und nicht so wie wir südwärts Richtung Alès.

Der Kluge reist im Zuge

Nach einer kurzen Besichtigung des Ortes und einer Erfrischung sind wir dann auch am selben Tag losmarschiert, bei tüppiger Hitze und perfekten Wetterbedingungen.

Pilgergroove in Le-Puy-en-Valey
Losmarschieren bei sommerlichen Bedingungen

Aber schon am 2. Wandertag hat das Wetter umgeschlagen, wir sind also vom Hochsommer ziemlich direkt zurück in den Winter katapultiert worden. Zum Glück hat es nur an einem Tag so richtig geschneit, danach blieb es wieder trocken aber doch sehr kühl. Eigentlich perfekte Wanderbedingungen.

Vom Sommer in den Winter katapultiert
Schneeflocken tanzen mit uns um die Wette
Fürs Auge wunderschön
Links Winter – rechts Sommer

Die Cevennen sind total reizvoll, die Landschaft ist mehrheitlich sanft, das Klima kann jedoch sehr rau sein. Das erwartet man gar nicht unbedingt, ist das Mittelmeer doch bereits in greifbarer Nähe. Inzwischen sind sie auch wieder mehr bewohnt, der sanfte Tourismus führt dazu, dass wieder eine Lebensgrundlage gegeben ist. Die geschichtsträchtigen Dörfer sind mehrheitlich in einem guten Zustand und laden zum Verweilen ein. Besonders hervorzuheben ist hier Pont-le-Montvert. Inzwischen sind die Cevennen auch ein Mekka für Aussteiger geworden, immer wieder begegneten wir kreativen Kunstwerken am Weg. Die Landwirtschaft im Norden hat uns jedoch eher erschreckt, grosse Flächen mit Monokulturen sind Normalität.

Kunst am Weg
Kreative Lädeli
Die Monokulturen stören die Idylle schon etwas
Pont-le-Montvert: wunderschönes Dorf am Weg
Steingebilde zum Weiterbauen
Auch historische Bauten säumen den Weg
Auf einem alten Bahntrassee geht‘s nach Cassagnas

In den Gasthäusern und Herbergen wurden wir mehrheitlich verwöhnt, die Kulinarik hat uns positiv überrascht. Auch wenn immer wieder für uns doch eher exotische Gerichte wie Froschschenkel, Schnecken und Foie gras auf der Speisekarte zu finden war und auch durchaus bestellt wurde. Wir haben dankend verzichtet.

Zum Glück gehören Wein und Bier nicht zu alkoholischen Getränken
Alles gut vermarktet: aber das Stevenson-Bier schmeckt gut nach einem Wandertag
Fast schon exotisch
Französische Blutwurst: definitiv ein Versuch wert
Muscheln: das Meer ist nah
Château de Cambiaire: Gîtes d‘Étappe mit historischem Charme
Frühstück im Rittersaal

Für uns war diese «kleine» Weitwanderung von 12 Tagen ein ideales Training für den Bergsommer. Durch das Mittragen der Biwak-Ausrüstung konnten wir uns an den schweren Rucksack gewöhnen; die Füsse, Gelenke und Muskeln waren anschliessend gut aufgewärmt. Allerdings haben wir etwas unterschätzt, dass das Wandern ohne Höhenmeter die Gelenke deutlich mehr beansprucht als das typische Bergwandern. Beide haben wir an diversen Orten vorübergehende Schmerzen verspürt. Etwas, das wir sonst nicht kennen. Aber die wenigen Höhenmeter verleiten dazu, lange Etappen zu gehen. Wir würden im Nachhinein sanfter starten und erst in der 2. Woche mehr als 30 Kilometer pro Tag wandern.

Ein nächstes Mal würden wir etwas geduldiger starten und uns mehr Zeit lassen
Die Wege sind mehrheitlich einfach zu gehen

Fazit des Stevenson-Weges:

Leider ist er längst kein Geheim-Tipp mehr, vor allem auch die Franzosen sind zahlreich unterwegs. Deshalb empfehlen wir wirklich, saisonal azyklisch zu wandern und darauf zu hoffen, dass das Wetter mitspielt. Denn die Cevennen mit dem Mont Lozère (1699 MüM) als höchstem Punkt sind wettertechnisch sehr rau da sie am Übergang vom Zentralmassiv zur Mittelmeerküste liegen. Diese Lage macht sie zu einer Klimascheide; vom Süden her kommt feuchte, warme Mittelmeerluft, vom Norden und Westen her kann kühlere, feuchtere Atlantikluft einströmen. Diese Luftmassen treffen sich über den Bergen – das führt oft zu instabilem Wetter.

Auf dem Mont Lozère luftet es uns fast davon
Höchster Punkt auf dem Chemin Stevenson
In Alès haben wir unser Ziel erreicht

Geht raus, wandert in das Leben und löst euch vom Gedankenschrott des Alltags. Mit oder ohne Esel, gemütlich oder sportlich, mit oder ohne Zelt, einfach so, wie es für euch stimmt. Bon chemin!


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Kategorien: Stevensonweg

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