Sines – Porto Covo

Ein Tag in Lissabon reicht vollkommen, um grosse Vorfreude auf Natur und Bewegung spriessen zu lassen. Obwohl Lissabon durchaus zu den besuchenswerteren Städten gezählt werden darf. Viel Live-Musik, Kunst an allen Ecken, funktionierender öffentlicher Verkehr, guter Vibe und feine Düfte aus aller Welt liegen in der Luft. Auch in der Stadt lassen sich Distanzen sammeln,  tatsächlich sind es bis am Abend 28 gelaufene Kilometer, also eine durchschnittliche Tagesetappe auf dem Fischerweg.

Das Seefahrerdenkmal in Lissabon erinnert an die Zeiten als Portugal sehr einflussreich war
Vollmond über Lissabon

Mit dem Bus fahren wir nach Sines und entfliehen so dem herbstlichen Nebel über Lissabon.  Mystisch und etwas überraschend, tagsüber sind es doch immer noch angenehme 23 Grad, perfekt zum Laufen. 

Um die Mittagszeit gehts dann definitiv los, gespannt und hoffnungsvoll starten wir mit unserer letzten grösseren Tour dieses Jahres, dem Fischerweg. Bis zum offiziellen Ausgangspunkt an der Praia São Torpe sind es 10 Kilometer, wir stellen uns diese als lockere Einlaufzeit vor.

Optimistischer Start in Sines

Sines ist nichts Schönes und es wird unglaublich viel gebaut. Tatsächlich stehen wir dann auch bald schon vor einem zugesperrten Terrain. Macht nichts, nehmen wir halt den nächsten Weg. Doch auch dieser führt ins Nirgendwo – das sind doch deutliche Zeichen. Wir steigen kurzerhand zur nächsten Strasse ab und bestellen einen Uber. 3 Minuten später sitzen wir im Auto und nochmals 5 Minuten später nehmen wir einen 2. Anlauf mit dem Start auf dem Fischerweg, jetzt auch am offiziellen Ausgangspunkt an der Praia São Torpe.

Zugesperrt wegen Bautätigkeit
Und nochmals zugesperrt wegen Steinschlag
Immerhin gibts den westlichen Erdbeerbaum als Snacks zur Aufheiterung
Aber wir fühlen uns doch irgendwie im Schilf
Einbahn mit viel Humor – genau unser Ding
Und noch ein Startselfie – irgendwann muss es ja klappen

Das Licht ist sanft, die Wogen des Meeres tosen im eigenen Rhythmus und bald schon schweifen unsere Gedanken weit weg und der Wandermodus hat uns wieder eingefangen.

Viel Raum für Gedankenspiele
Nicht nur Wanderer geniessen die ursprüngliche Natur
Bald sind wir zurück im Wandermodus
Auch ein Strandläufer
Hier ein Exemplar des Meer-Wegläufers

Aus Erfahrung wissen wir, dass Etappen ohne viele Höhenmeter anders streng sind. Das Tempo ist tendenziell höher und dennoch fühlt es sich irgendwie ermüdend an. Hier kommt dazu, dass vieles auf Sand gelaufen wird, nicht nur festgepresster Sand, auch richtig schöner Sandkasten-Sand, allerdings zum Laufen ziemlich ungewohnt.

Anstrengendes Terrain auf Sand
Dank den Trail-Gaiters bleibts wenigstens im Schuh sandfrei
Die Pflanzenwelt ist um diese Jahreszeit sehr karg, hier zwei einsame Kaktusblüten

Da bekommen die 30 KM von Morgen plötzlich eine andere Dimension. Aber jetzt ist heute und wir geniessen unseren ersten Abend in Porto Covo, ganz so, als gäbe es kein Morgen.

Heute gibts Genuss aus dem Wasser, Morgen dann wieder Genuss mit Blick aufs Wasser
Praia São Torpe – Porto Covo

Porto Covo – Almograve

Wir starten noch im Dunkeln, es ist uns bewusst, dass es ein längerer Tag werden könnte. Frühstück wird gestrichen, das wird sowieso überbewertet. 

In Porto Covo ist noch alles ruhig als wir aufbrechen

Tatsächlich geht‘s nicht lange bis wir uns wie zwei Pinguine mit panierten Schuhen Schritt für Schritt durch den lockeren Sand kämpfen. Aber die tollen Ausblicke aufs offene Meer mit den romantischen Buchten wirken absolut versöhnlich.

Mit panierten Schuhen kämpfen wir uns durch den weichen Sand
Die tollen Ausblicke wirken sehr versöhnlich
Fast wie ein Adlerhorst, allerdings von Störchen

An Portugals wilder Südwestküste gibt es ein weltweit einzigartiges Naturwunder: Weißstörche, die direkt auf den steilen Klippen über dem tosenden Atlantik brüten. Eigentlich meiden die Vögel die salzige Meeresbrise, doch hier trotzen ihre teils tonnenschweren Horste auf freistehenden Felsnadeln jedem Sturm.

Für Vögel ist diese wenig bewirtschaftete Region ein Paradies
Immer wieder kommen wir an einsamen Buchten vorbei

Bald merken wir, dass ganz unscheinbare Muskeln neu in Betrieb sind und auch der Gluteus Maximus muss maximal leisten. 2000 Höhenmeter wären definitiv leichter als diese Übung im Sand. 

Die Landschaft ist heute deutlich wilder, einsamer und fast ganz unverbaut. Wo gibt‘s das sonst noch? Es ist ein Paradies für Surfer, immer wieder stehen Camper auf einer Klippe mit atemberaubender Aussicht. Die Wellen sind ideal für geübte Surffreaks.

Und dann sind noch die Wanderer auf dem Fischertrail unterwegs. Nicht Unmengen aber doch einige. Es ist ein idealer Weg um den Sommer zu verlängern oder früher einzuläuten. Erstaunlich viele junge Leute sind unterwegs, oft auch Frauen alleine. Ob sie wohl etwas falsch verstanden haben und sich einen Fischer zu angeln erhofften?

Der Fischerweg ist Teil der Rota Vicentina

Pünktlich zur Mittagszeit erreichen wir Vila Noves da Milfontes und erfahren, dass wir 4 Strassenkilometer kippen können und mit dem Ferry-Service die Meereszunge überqueren können. Keine Frage, das gönnen wir uns.

Mit Bootservice können wir 4 Strassenkilometer kippen, da haben wir gut Lachen
Blick zurück auf Vila Noves da Milfontes

Der zweite Teil bis Almograve gehen wir dann auch mehrheitlich auf kompaktem Gelände, so sind zwar die Beine schwer am Abend aber doch noch so elastisch, um ins Dorf zum Nachtessen zu spazieren. 

Gemäss Rother-Führer verlangt der Fischerweg eine gewisse Frusttoleranz gegenüber Sand
Uns macht’s total Spass und wir sind happy
Jetzt gehts noch durchs Wasser, deshalb Schuhe aus
Lang nicht mehr erlebt: nach dem Nachtessen gibts sehr italienisch eine Auswahl Digestif zur Selbstbedienung auf den Tisch
Porto Covo – Almograve

Almograve – Zambujeiro do mar

Wir verlassen unsere Unterkunft eher spät, denn die heutige Etappe hat auch für uns keine zusätzlichen Extensions. Wie bei einer Sternwanderung strömen aus allen Richtungen berucksackte Menschen. Ungewohnt für uns.

Auch wir sind Teil dieser berucksackten Kolonie auf dem Fischerweg

Das eindrückliche Meerestosen hat uns die ganze Nacht begleitet und unsere Träume akkustisch untermalt. Auch der Morgen ändert nichts daran.

Könnt ihr das Meerestosen auch hören?

Die Wanderer haben sich anscheinend über Nacht vermehrt, oder liegt es an unserem Timing dass wir gleichzeitig mit vielen anderen unterwegs sind?

Es ist wohl der bisher schönste Abschnitt auf dem Trilho dos pescadores zwischen Almograve bis Cavaleiro, hoch über den wilden Klippen mit tollem Farbenspiel. Und natürlich fiebert das Ohr mit.

Einsame Sanddünen fast wie bei ‚Lawrence von Arabien‘ einfach ohne Kamel
Weshalb denken wir Menschen dass wir die Natur nach unseren Bedürfnissen lenken können?
Auch die Grüntöne sind hier abwechslungsreich
Ein Guckloch für Neugierige
Immer wieder bleiben wir staunend stehen
Für die Fischer gibts spektakuläre Pfade in diese Buchten
Und nochmals Tiefblicke geniessen
In Cavaleiro gibts dann einen Snackstop, Frühstück wurde doch unterbewertet

Nach dem Snackstop in Cavaleiro wird der Weg und auch der Ausblick eher monoton, kaum mehr Sandpartien mit Treten an Ort, dafür aber der Kopf in Vakuum-Leere auf unspektakulären Kiessträsschen mit einem 5er-Schnitt.

Allerdings weckt der Duft der Zistrose unsere Geister, was muss das für ein Farbenspektakel sein im Frühling.

Wir sind am frühen Nachmittag in Zambujeiro do mar, einem hübschen kleinen Dörfchen. Viel Zeit für Apéro, Kleiderwäsche und Sonnenuntergang. Morgen gibts dann wieder eine längere Etappe, nicht dass es uns noch langweilig wird!

Zambujeiro do mar gefällt uns
Viel Zeit für Romantik und Feriengefühle
Almograve – Zambujeiro do mar

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Kategorien: Fischerweg

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