Entspricht im Rother-Führer Etappe 59
Heute schenken wir uns etwas, und zwar etwa 700 HM! Valter vom Patatouc fährt uns am Morgen zum Tende-Pass hoch, die körperlich angeschlagene Hälfte schätzt diesen Lift bereits am Morgen, die übermütige Hälfte dann am Abend umso mehr.

So starten wir bereits auf 1900 MüM und nach nur wenigen Schritten sind wir in Frankreich. Das Skigebiet mit 60 Pistenkilometern hinterlässt optische Spuren, doch die zahlreichen Forts erinnern uns daran, dass hier bereits vor dem Skitourismus Leben zu finden war.

Zum Glück bleiben uns nur wenige Meter auf den befahrenen Militärstrassen, schon sehr bald können wir über die Grenzkämme ziehen und auf die beidseitig ausgeprägten gezickzackten Strassenfurchen im Berg schauen.


Dafür ist die Pflanzenwelt zauberhaft zu dieser Jahreszeit: Männertreu auf Gruppenausflug oder auch Hauswurz mit Grössenwahn ziehen uns in Bann.



Der Weg führt wie auf einer Achterbahn ohne Loopings hoch und tief. Wir sind konstant oberhalb der Baumgrenze und der frische Wind macht das Wandern erträglich, immerhin für die meisten.

Gänse- oder Mönchsgeier kreisen hartnäckig über uns, wie sie bestimmt wissen ist es eine der längsten Etappen auf der GTA, doch uns erwischen sie nicht.
Plötzlich ändert sich die Vegetation abrupt und karstige Böden nehmen Überhand. Die Wegführung bleibt jedoch extrem angenehm und sanft. Wir haben uns auf einen Militärstrassen-Abschnitt eingestellt und werden total positiv überrascht: die heutige Etappe entpuppt sich während der Blumenzeit zu einem absoluten High-Light.
Der Schlussaufstieg zum Rifugio Garelli fordert uns nochmals, dankbar kommen wir an. Jetzt ist auch die gesunde Hälfte froh, sind wir nicht die ganze Etappe marschiert. Die Augen sind gesättigt, jetzt kommt der Gaumen zum Zug.



An klaren Tagen ist auf dieser Etappe das Monte Rosa Gebirge, das Matterhorn und auch das Mittelmeer sichtbar. Heute leider nicht, dafür hören wir das Donnergrollen ganz nah.

Fazit des Tages: Das Leben ist wie ein Malkasten, bunt und frei gestaltbar.

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