Entspricht im Rother-Führer Etappe 65
Die Wirtin lässt uns tatsächlich total unkompliziert durch das Tor zurück in die Wanderwelt. Ein lustiges Fraueli, nennt sich selber eine strega (Hexe) und da weiss Sonja sofort, weshalb die Schwingungen so ähnlich sind.


Tatsächlich steht heute unsere allerletzte Wanderetappe auf dem Programm. Es geht mehrheitlich abwärts, geplante 12 km in einer ziemlich direkten Linie, also eine kurze Sache, denken wir!


Durch den natürlichen Kräutergarten mit dem intensiven Rosmarinduft wird der hartnäckig steckende Ammoniakduft in unseren Nasen, welchen wir aus der Toilette im Rifugio Alta Via mitgenommen haben, allmählich überdeckt.

Die fleissigen Ameisen nutzen die morgendliche Frische um die Innenausstattung ihres Baus aufzuwerten. Auch wir sind froh, können wir noch viel im Schatten gehen.


Ein Esel kündigt noch weit oberhalb Ventimiglia unseren baldigen heroischen Einmarsch an, wir sind gespannt auf die jubelnde Menschenmenge.

Die Besiedlungsdichte links und rechts des Kammes nimmt kontinuierlich zu, auch Spuren wie entsorgte Autos oder andere Abfälle häufen sich.

Für uns gehts im lockeren Auf und Ab weiter über die Krete, immer mehr dem Meer entgegen. Plötzlich erscheint eine Fatamorgana aus dem struppigen Gebüsch. Traum oder doch Realität?




Noch ein letzter Abschlussgipfel wird spontan in die Route eingebaut, der Monte Baraccone mit 515 MüM verführt uns zu einem kleinen Umweg. Anhand der Karte ist er fast ‚all inclusive‘ auch ohne Bändeli am Handgelenk. Aber anscheinend werden wir irre geführt, denn der Abstieg auf der Rückseite ist weder inklusiv noch gratis. Ein abruptes Ende in einer Sackgasse, dadurch einige Zusatzschlaufen, nochmals neue Dornenkratzer an den Beinen und ein Tarzan-Sprung ohne Liane um auf die Strasse zurück zu gelangen sind unsere Auslagen. Weshalb auch zu Fuss gehen, die Menschheit hat ja das Auto erfunden!


So wandern wir weiterhin nicht dem Strand entlang sondern vielmehr der Strasse. Wollen wir einfach nicht ankommen? Zum Glück ist ein frischgestanzter Tourenleiter unter uns, so kann uns nichts passieren.


Bei der Madonna della Neve ganz ohne Schnee aber schon in guter Mittagshitze sind wir dann mit etwa 1 1/2 Stunden Verzögerung wieder auf dem ursprünglich geplanten Weg in direkter Linie.

Eine letzte Anhöhe folgt und bald schon hat die allerletzte Wanderstunde geschlagen: nochmals eine Trink- und Pinkelpause bevor uns das Zivilisationsnetz wieder einfängt.
Wir sind immer noch auf 300 MüM, erst wirklich kurz vor Ventimiglia wird der Blick auf das Ziel freigegeben.


Die Villen am Hang sind recht pompös und vor Blicken geschützt, diese Menschen wohnen anscheinend auch in einem Escape-Room… Mitleid kommt hoch!


Zusätzlich zum Zikadenrauschen als ständigem Begleiter setzt das immer lauter werdende Verkehrsdröhnen ein, wir haben fast vergessen, dass nicht nur die Füsse als Transportmittel genutzt werden. Der Mensch ist einfach laut.


Um 12.50 Uhr ist es dann tatsächlich geschafft: wir stehen im Meer! Andere Badegäste beobachten unser Ankommen erstaunt, bestimmt können sich die wenigsten vorstellen, dass wir nun in 5 Blöcken von der Schweiz bis nach Ventimiglia marschiert sind.

Überwiegt die Freude oder sind wir fast ein wenig traurig? Es ist etwas dazwischen. Sicher nicht das selbe Hoch-Gefühl wie bei unserer Ankunft in Albanien nach 5 Monaten Wanderschaft mit Zelt. Da wir die GTA portioniert gelaufen sind, war es wirklich jedesmal einfach nur Genuss.

Trotzdem feiern wir den geglückten Abschluss bei einem leckeren pranzo und beziehen anschliessend unsere stilvolle Ferienwohnung für die beiden nächsten Tage.


So bleibt Zeit um all die Erlebnisse zu verdauen und Schrammen auszukurieren. Aber auch das ‚dolce far niente‘ wird nicht zu kurz kommen.




Das wars wieder aus Wurzelkochers Gerüchteküche. Jetzt seid ihr dran: geht raus, bewegt euch, hört der Natur zu, freut euch über all die Details am Wegesrand und seid glücklich!

Fazit des Tages: Ein Schlusspunkt bedeutet immer auch ein Startschuss zu Neuem

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