Erst standen wir noch auf dem Jungfraujoch bei frischen Temperaturen in Schneeluft und kaum 48 Stunden später schälen wir uns in Hendaye an der Westküste zwischen französischer und spanischer Grenze bei 36 Grad aus allen Kleiderschichten.

Aus Rücksicht auf unser Klima wählen wir die nicht nur für die Natur nachhaltige Reise mit Bus und Zug, auch unsere Körper sind nach der langen Fahrt nachhaltig gezeichnet…

Gute Nacht! Das ‚gut‘ sparen wir uns allerdings für später auf
Paris empfängt uns noch im Dunkeln

Doch das typische petit déjeuner in Paris um 7 Uhr morgens weckt unsere schläfrigen Geister auf angenehme Weise. Uns bleiben 5 Stunden, um von Paris Bercy nach Paris Montparnasse in den Tag zu spazieren und wir können so unsere Beine warmlaufen und Pariser Sightseeing verbinden.

Wir fühlen uns noch etwas zerdrückt beim Petit Déjeuner in Paris
Die Neozooten Halsbandsittiche sorgen in Paris für Ordnung und Sitte

Am späten Nachmittag können wir uns endlich im Atlantik hoffentlich auch nachhaltig abkühlen. Tatsächlich kommt bei einem Live-Konzert an der Strandbar schon richtig Feriengefühl auf. Wir geniessen wie richtige Touristen, immerhin für einen Abend.

Perfekter Starttag am Strand von Hendaye

Am nächsten Morgen gilt es dann aber ernst, es ist früher Sonntag und auf dem Camping Alturan in Hendaye ist es noch so still wie in der Kirche aber mit 29 Grad fast schon so heiss wie in der Hölle.

Noch ein Startselfie bei der GR10 Tafel, und dann heisst es: fürschi hebe! Heute gehen wir noch einen grossen Teil parallel mit dem GR10, welcher die Pyrenäen auf der französischen Seite durchquert. Der GR11 macht dasselbe auf der spanischen Seite und wir halten uns an den HRP (Haute Randonnée Pyrénéenne), welcher möglichst die hohen Wege wählt. Dadurch wechseln wir auch immer wieder zwischen Frankreich und Spanien. Spanzösisch ist angesagt!

Auch wenn wir nicht den GR10 wandern werden ist hier auch für uns der symbolische Startpunkt

Die ersten Etappen führen uns durch das Baskenland, noch eine weitere, völlig andere Sprache, ergänzt das Repertoire der Einheimischen. 

Eroen jaitsiera – auf baskisch ‚Abstieg der Verrückten‘

Die ersten Kilometer wandern wir noch durch dicht besiedeltes Gebiet doch bald wird es einsamer und ländlicher, die Landwirtschaft übernimmt, vor allem fallen die vielen frei laufenden Pferdeherden auf.

Bald schon sind wir ländlich unterwegs, der Berg im Hintergrund ist der 900 MüM hohe Larhun, auch noch heute auf dem Plan.
Auch andere Wanderer sind unterwegs – allerdings nicht ganz ultraleicht

Auf dem Col d‘Ibardin werden wir erstmals komplett aus unserer Wanderidylle gerissen: Shops, Bars und unzählige Autos säumen den Strassenrand. Ob das hier ein Zollfreiparadies ist? Unsere Rucksäcke sind sowieso schon schwer und Sonntagskommerz ist überhaupt nicht unsere Lieblingsbeschäftigung. Also schnell weiter…

Col d‘Ibardin: wie aus einer anderen Welt
Definitiv nicht unsere Gewichtsklasse

Wir beissen dann ein erstes Mal beim brütigen Aufstieg zum 900 MüM hohen Larhun. Ein Nostalgiezug fährt wiederum massenhaft Touristen hier hoch, fast wie im Berner Oberland nur dass es keine Asiaten sind.

Wir beissen uns den Weg zum Larhun hoch
Weder Pferd noch Wagen nutzen wir dazu
Nochmals ein Blick zurück zur atlantischen Küste

Nach einem kurzen Abstieg stellen wir dann am Col Gonmendia bei einer unbewarteten Hütte unser Zelt auf. Der Koch hat heute frei, wir haben unsere Bäuche auf dem Larhun bereits gefüllt.

Wir bevorzugen unser Zelt auch wenn es im Hüttchen einen öffentlich zugänglichen Raum hat
Bald grasen die heimischen Pottok-Pferde auf dem Rasen vor der Hütte, Nachtruhe nicht garantiert!
1. Etappe: Hendaye – Col Gonmendia

Ab Mitternacht werden wir tatsächlich mit dem versprochenen Regen berieselt und die Prognosen sind baskisch-feucht für den heutigen Montag. So packen wir in einem Schonmoment unsere sieben Sachen und beziehen am Col Lizuniaga nach nur einer halben Stunde Gehzeit eine Unterkunft. Mission des Tages: warten bis alles wieder trocken ist!

Feucht und neblig – richtig baskisch. Die Jagdhäuschen stehen schön aufgereiht und dienen der Ringeltaubenjagd
Mission geglückt: bis zum Abend ist wirklich alles trocken und wir geniessen die kleinen Freuden des Lebens
2. Etappe: Col Gonmendia – Col Lizuniaga

Zum Glück regnet es nicht mehr am Dienstagmorgen, nur noch der Nebeldunst schwirrt umher. Kein Wunder ist hier alles so grün… wüssten wir‘s nicht besser, könnten wir auch in Irland sein!

Hotel Lizuniaga: unser selbstgewählter Quarantäneplatz für 24 Stunden

Unser 2. richtige Wandertag entwickelt sich dann immer mehr zu einem richtig tollen Erlebnis. Die Ausblicke werden zunehmend klarer und die Sonne wärmt uns genau richtig. Einzig die Passage durch den durch Holztransportfahrzeuge verursachten Morast übere längere Distanz hätten wir nicht gebraucht. Doch über alles gesehen sehr kurzweilig mit vielen tollen Weitblicken und auch die Aufstiege waren mehrheitlich fast gratis.

Mystische Stimmung mit Blick zurück auf den Larhun
Auch heute begleiten uns die Taubenschiessstände fast ununterbrochen; ab Anfangs Oktober bis Ende November müssen die Ringeltauben auf Durchreise dran glauben
Zum Glück ist dies kein Schwarm Ringeltauben…
Motorlose Rasenmäher …
… aller Rassen und Farben
Dennoch sind grosse Flächen zugefarnt – ein neuer Geschäftszweig der Farnazie?
Wasser am Weg ist uns viel lieber als Wasser von oben
Sogar mit Gipfel: Larrondoko Kaskoa auf 853 MüM
Entsprechend verschissen sind alle Wege
Dafür sind die Blicke in Richtung Himmel dank diesen Buchen umso schöner

Wir entscheiden uns nochmals für eine Nacht in der Zivilisation in Elizondo bevor es dann ab Morgen endlich in bergigere Abschnitte geht.

Elizondo: nochmals Zivilisation bevor‘s Morgen in die Berge geht
Grünfutter nicht nur für die Schafe
3. Etappe: Col Lizuniaga – Elizondo

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2 Kommentare

Sonja & Wisi Eicher · September 11, 2025 um 10:10

Lieber Sonja & Thomas
Es freut uns immer sehr, eueren interessanten Bericht zu lesen. Spannend, was ihr wieder geplant habt. Wir wünschen euch eine tolle, stimmige Tour.
Liebe Grüsse
Sonja & Wisi

Trudi Bruderer · September 9, 2025 um 22:09

Hallo, ihr zwei Lieben
Ihr habt es wieder „fausdick hinter den Ohren – oder in den Beinen“. Zur kommenden Reise wünsche ich euch viel Spass und ein gutes Gelingen. Ich freue mich auf die interessanten Wanderberichte und die schönen Fotos. Alles Gute und herzlichst Trudi

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