Das Regenerationspackage im Belagua zeigt Wirkung, unsere Stimmung ist heute Morgen beim Losmarschieren deutlich aufgehellt. Und auch der Himmel! Zwar noch wolkenverhangen aber ein Hoffnungsschimmer in Form von Sonne drückt hindurch.

Wir verlassen nun endlich das Weidegebiet mit all den Tieren und nähern uns einem karstigen Abschnitt. Die Wildschweine haben das Gelände gründlich umgegraben, es sind ja eigentlich unsere Seelenverwandten, wir als Wurzelkocher und die Wildschweine als Wurzelausgraber. Unzählige Murmeli verkriechen sich schnell im Bau als sie uns entdecken, eines steht jedoch tapfer Wache.


Die Wolken spielen mit uns Verstecken, lange denken wir, dass doch noch einige Spritzer vom Himmel fallen könnten. Aber es bleibt tatsächlich trocken!

Auf dem Passübergang Esqueste stehen wir einmal mehr auf der Grenze, auch der sehr steile und steinige Abschnitt ist etwas grenzwertig. Ein kurzer Ausrutscher und Sonjas Schienbein ist verschrammt sowie ein Finger verstaucht. Zum Glück nicht umgekehrt!



Die Nebeldecke ist auf der französischen Talseite auch am Nachmittag noch dick, doch wir halten vor dem Eintauchen wieder aufwärts zur Alp Ansabère.

Einem mürrischen Schafhirten kaufen wir ein Stück fromage de brebis ab, er wird noch bis Ende Oktober hier ausmürren.

Die Herde wird von einem Herdenschutzhund bewacht und er lässt uns nach kurzem Beschnuppern passieren. Jeden Schnuppertest hätten wir heute wohl nicht bestanden.

Am Lac d‘Ansabère auf 1880 MüM schlagen wir unser Hubba Hubba auf, es geht zwar ein böiger Wind aber der Platz ist fantastisch gelegen, mit Blick zurück auf den steilen Schuttabstieg. Die Nebeldecke steigt bedrohlich, holt uns jedoch nicht ein. Alleine sind wir hier nicht, noch vier weitere Zelte stehen beim Eindunkeln um den See.



Wir packen unsere sieben oder noch ein paar mehr Sachen früh zusammen und stehen bei Sonnenaufgang bereits am ersten Passübergang.

Ein eindrückliches Panorama mit tollen Wolkenformationen begrüsst uns und auch die zahlreichen Tagesausflügler begrüssen uns je nach dem mit ¡hola! oder bonjour, denn heute ist Sonntag.


Auch am See ennet dem Pass stehen mehrere Zelte, schön dass dies möglich ist und die Leute sich an Regeln halten wie Abfall mitnehmen. Obwohl wir hier im Parc Nationale Pyrénéenne sind, hier gelten allerdings strengere Regeln fürs Biwakieren (nur 19 – 9 Uhr und mindestens 1 Wanderstunde Entfernung zur nächsten Strasse).



Die heutige Tour entschädigt für die verregneten Tage: tolle Wege, grandiose Ausblicke bis hin zum Pic du Midi d’Ossau, angenehme Temperaturen und erst noch ein Refuge am Weg passend um die Mittagszeit.




Das lassen wir uns nicht entgehen, Schweinsvoressen mit Teigwaren auf der Sonnenterrasse über dem Lac d‘Arlet. Gleich zweimal Schwein gehabt.

Mit vollen Bäuchen entscheidet es sich besser: wir wählen die Variante und umgehen das Skiresort Col du Somport und damit verbunden auch einige Kilometer Teerstrasse, denn wir haben unsere Vorräte in der Épicérie in Chalets d‘Iraty aufgefüllt und sind noch gut ausgerüstet.


Ganz ohne Bitumen gehts nicht, aber nur kurz. Glücklich über unsere Routenwahl steigen wir auf der anderen Talseite in Richtung Refuge d‘Ayous nochmals hoch, aber kurz vor 20 Uhr machen auch wir Feierabend. Es dauert nicht lange, da grasen zwei Schafe auf dem kleinen, flachen Bödeli um unser Zelt und schauen, dass wir nicht ganz alleine sind.



Der über Nacht aufgekommene warme Föhn hat unser Zelt trockengeblasen, super Service! Begrüssungskomitee inbegriffen.

Die Schäferin unterhalb unseres Übernachtungspasses weiss, dass zwei Schafe sich selbständig gemacht haben. Wahrscheinlich Verschwörungsschafe, die nicht an den Wolf glauben und lieber die Freiheit auskosten anstatt zusammengepfercht mit allen anderen auf das Melken und den anschliessend Freilauf warten.


Unglaublich, gestern haben wir den impssanten ehemalige Vulkan Pic du Midi d‘Ossau aus weiter Ferne bestaunt und über Nacht haben sie ihn vor unsere Nase gestellt. Wunderschöner Anblick vom Col d‘Ayous mit den Lacs im Vordergrund.


Da gönnen wir uns beim Refuge ein Croque Monsieur, auch für Madame.
Die Menschenansammlung lässt uns bald weiterziehen mit Tagesziel Refuge de Pombie. Eine absolut lohnende Variante über die Lacs d’Ayous, wir wandern von See zu See immer mit dem majestätischen Pic im Blick bis wir ihn dann plötzlich überholen.



Zeitgleich mit dem immer höher steigenden Nebel erreichen wir das Refuge am See. Heute checken wir früher aus unseren Trailrunnern aus und dafür im Refuge ein, so können wir von der Halbpension profitieren und dem Nebeldeckel entfliehen. Die Kalorien verpuffen wie Maiskörner zu Popcorn in einer heissen Pfanne. Wir schlafen in der Dépendence denn das Haus ist voll, tönt nobel, ist allerdings ein grosses Zeltbiwak mit mehreren Kajütenbetten und einem penetranten Fussschweissgeruch.



Am Morgen ist es recht frisch und der Nebel hat sich wieder ins Tal zurückgezogen, doch genau dort hinunter müssen wir. Tatsächlich ummantelt uns die graue Suppe beim Abstieg, doch für uns gehts bald wieder aufwärts, dem langgezogenen Tal entlang nun mit dem dominanten Pic du Midi d‘Ossau im Rücken.



Im Talboden angekommen ist nur noch eine Richtung möglich: wieder aufwärts.



Die Passage d‘Orteig sorgt für etwas Spannung am Weg und bald schon stehen wir über der nächsten Seenplatte die sich sehen lässt beim Refuge d‘Arrémoulit, welches allerdings im Umbau ist.




Wir hangeln uns über Geröllfelder von See zu See, sie übertrumpfen sich gegenseitig mit Schönheit, da können wir definitiv nicht mithalten mit Haaren wie aus der Friteuse und kaktusähnlichem Stachelbart. Wirklich etwas vom Schönsten was wir je durchwandert haben, idyllischer Canyon mit Pinienduft.



Das Rifugio Respomuso wird zu unserem heutigen Übernachtungsort. Es ist zwar auch in Renovation aber trotzdem geöffnet und sogar mit WIFI! Blog sei Dank.


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2 Kommentare
Doris Frischknecht · September 17, 2025 um 00:28
Halli hallo liebi wurzelkochers…
Und au ich bin voll dabei…..
Immer wieder schö vo eune abentüür z‘lese und so chli chönne mit eu sii…🥰 wiä immer gits ämel viel z‘ schmunzle bim lese vo eune brichtli und eifach wauw… diä schöne fötelis….
Joooo nur no selber mitwandere wär glaub no besser..
Bin gespannt wiäs witergoht…
soo und jetz pfuuuset guet und frohes weiterwandern..
Liebi grüessli und ganz feschte knuddel…..
doris
Reini · September 16, 2025 um 21:47
Euch beiden wünsche ich weiterhin VIEL SCHWEIN 🐷 und so tolle Seen.
Ihr macht ja lange Touren, täglich. Ich bewundere Euch!
Danke für das Teilhabenlassen an Eurer Weitwanderung.