Entspricht im Rother-Führer Etappe 60
Um 4 Uhr miaut die Hüttenkatze, um 6.30 Uhr geht Thomas’ Joch-Wecker mit Hells Bells los und Frühstück gibts erst um 7.30! Aber auch mehrfach aufgeweckte starten die heutige Tour mit einer grossen Portion Optimismus.
Denn die Muffi-Variante bringt ab frühem Nachmittag heftige Gewitter und wir wollen wenn irgendwie möglich über die Gipfelvariante nach Upega wandern.

Bereits beim Losmarschieren fühlt es sich an wie in einem brodelnden Kessel von Gargamel, bald sind wir alle nassgeschwitzt. Welches Süppchen wird hier wohl gekocht?

Die Murmeli sind auch wach und pfeifen uns im Aufstieg zu Höchstleistung an. Bald sind wir über den ersten Pass und müssen uns entscheiden, ob wir die Gipfelvariante wagen wollen oder unten durch gehen. Es ziehen zwar viele Nebelschwaden umher, aber die Wolken sehen nicht nach baldigem Wetterumbruch aus. So ist klar, wir wagen den Weg über die Berge.

Bald queren wir ein wunderschönes Moorgebiet mit einem Bergsee, Alpenkrähen kündigen den Gemsen unseren Besuch an, welche dann unkontrolliert davon springen. Wachteln gurgeln uns aus dem hohen Gras zu und verteidigen erfolgreich ihr Gelege. Die italienische Wander- und Schwatzgruppe haben wir schon länger hinter uns gelassen, die Geräuschkulisse beschränkt sich nun darauf, was die Natur zu bieten hat. Raum für Gedanken als Nährboden für Neues. Was gibt es Schöneres!


Es entsteht eine geheimnisvolle Atmosphäre, fast wie eine Wundertüte, hoffentlich entpuppt sich daraus keine Tischbombe.

Am Colle del Pas halten wir nach links, der Wegweiser fehlt zwar aber eine klare Spur ist vorhanden und im Verlauf ist der Weg auch gut markiert.


Nebelschwärme manteln uns im Aufstieg immer wieder ein, der Blick auf die umliegenden Berge wird auf und zugezogen wie mit einem Vorhang.

Schon früh stehen wir auf dem kunstvollen Cima Pian Ballaur.



Im Zwischenabstieg können wir unseren Augen kaum trauen: alles ist mit Edelweiss übersät. Wir wandern sozusagen auf einem Edelweissteppich, wer schätzt da noch einen roten Teppich! Das muss ein Augenspektakel sein in 2 – 3 Wochen.


Auf dem 2. Gipfel und gleichzeitig dem Tageshöchstpunkt tanzt dann der Bär mit seinem Enzian, auf der Cima delle Saline mit 2612 MüM ist auch dieser Trank erträglich.


Der steile und total schuttige Abstieg zum Passo delle Saline ist definitiv nichts für Milchschnittenanhimmler.

Friedlich weidet das Vitello noch ganz ohne tonnato, die Herdenhunde stechen bellend auf uns zu, erkennen aber bald dass wir vielleicht als Endverbraucher ihrer Produkte noch wertvoll sein könnten.

Es folgt ein schöner Schluchtenweg und pünktlich zum italienischen pranzo sitzen wir in der Foresteria Carnino auf der Sonnenterrasse und bestellen unser traditionelles Vitello tonnato. Doch es dauert keine fünf Minuten, da setzt quasi aus dem Nichts Regen ein, tatsächlich haben wir eine zweite Punktlandung geschafft. So setzen wir uns in die gemütliche Gaststube und lassen ein erstes heftiges temporale mit knallendem Donner und Blitzen bei einem Schieber vorbeiziehen.



Wir nutzen dann die Schonzeit mit nur ganz wenig Niederschlag und kippen die Variante über den Passo del Lagarè. So erreichen wir Upega trocken über die spektakuläre Fahrstasse, vielleicht einer der gefährlichsten Abschnitte auf der GTA, denn wenn hier die Steine rollen…


Die offizielle GTA würde ab Carnino nach Viozene führen, wo sie dann endet. Doch die meisten wandern so wie wir noch bis nach Ventimiglia am Mittelmeer weiter, auch wenn dieser Abschnitt durch Ligurien führt und wir somit das Piemont Morgen verlassen werden.

Fazit des Tages: Wer den Nebel nicht ehrt ist den Sonnenschein nicht wert

Entdecke mehr von Perspektivenwechsel
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.
0 Kommentare