Entspricht im Rother-Führer teilweise Etappe 63
Das Rifugio Allavena ist wirklich ein absoluter neuer Lieblingsplatz, Essen gut – alles gut!

Die Wiederbelebung unseres Enzianbehälters will der Wirt nicht bezahlt haben und als dann Thomas als unser Finanzverwalter die vergessen gegangenen Duschen noch bezahlen will, tönt es mit einem breiten Schmunzeln laut aus dem Rifugio: vai via!

Da auch dieses Jahr das nächste offizielle Etappenziel ‚Gola di Gouta’ keinen Wirt gefunden hat, bleibt uns nicht viel anderes übrig, als nach Pigna auf 300 MüM abzusteigen.
Beim Start in eine der spannendsten Etappen auf der GTA fühlt sich die Luft noch federleicht an. Obwohl uns nur noch 3 Wandertage bis ans Mittelmeer fehlen, sind wir heute nochmals sehr alpin unterwegs.
Zu Hause haben die Churfirsten über Nacht einen weissen Überzug erhalten und wir blicken auf einer Höhe von 2000 MüM auf das türkisblaue Meer am Horizont, welches sich mit dem Himmel vermischt und Eins wird.

Nach der Trinkwasserfüllung steigen wir in den 2024 wieder eröffneten ‚Sentiero degli Alpini‘ ein. Eine Leichtversion einer Via ferrata mit spektakulärer Wegführung für EE: escursionisti esperti. Endlich sind auch wir Experten und können überall mitschwatzen!

Alle unsere Sinne sind gefragt, als erstes natürlich der Vorsichtssinn. Aber auch olfaktorisch, visuell und akustisch läuft einiges. Zaunkönig, Pilzduft, Tannenmeise, Buchfink, Thymian, Zilpzalp, Lavendel, Mönchsgrasmücke, Pfefferminze, Eichelhäher und all dies begleitet von unbeschreiblich tollen Ausblicken verbindet das Sinnechaos auf wunderbare Weise. Das Merlin-App und das physiologisch eingebaute Riechapp erleichtern die Bestimmung erheblich.




Wir werden etwas an die drei Schwestern mit Fürstensteig erinnert, was absolut nichts mit unserer Gruppenzusammensetzung zu tun hat. Während etwa 2 Stunden können wir dem gut gesicherten Felssteig folgen, der letzte Abschnitt ist jedoch wegen vergangenen Felsabbrüchen gesperrt. Kein Wunder, das Ganze sieht sehr instabil und brüchig aus.










So wandern wir in endlosen Schlaufen nochmals höher, wie eine Pendeluhr schlägt es uns in zahlreichen Kurven auf den Passübergang Passo dell‘Inciso.


Wieder einmal gehts auf französischem Boden deutlich einfacher weiter. Am Wegrand grüssen uns ‚Alti Manne mit Haarausfall‘ gleich neben dezenten Akeleien. Und wer hat denn hier sein Herz verloren?



Bald schon stehen wir am 2. Passübergang zurück nach Italien. Mit dem Genepi im Fläschchen nehmen auch alle wieder freiwillig am Anstoss-Ritual teil.

Nun heisst es ‚nidsi hebe‘, hoffentlich führt nur der Weg 1800 HM abwärts und wir können unsere Hochstimmung bewahren.
Das Meer im Sichtfeld weist uns den Weg, fast nicht zu glauben, dass wir schon bald ankommen werden.

Unzählige Schmetterlinge tanzen mit uns den Weg entlang, wir vielleicht etwas weniger elegant. Die Biodiversität ist hier sehr gross, etwa 300 verschiedene Schmetterlinge leben in dieser Region. Zum Glück gibt es noch Zonen mit Platz für Diversität.

Bald schluckt uns der Wald und führt uns mehrheitlich sanft immer tiefer, der mediterrane Touch wird deutlich ausgeprägter.

Pinienduft liegt in der immer noch recht angenehmen Luft. Doch mit dem Einsetzen des Zikadenrauschen steigen auch die Temperaturen parallel zum Abstieg.
In Pigna angekommen steht ein nächstes Rätsel an: das komplett in den Hang verschachtelte Dörflein macht eine Orientierung oder Navigation schwer. Doch irgendwie schaffen wir es auf den Talboden an der Hauptstrasse und sind erstaunt, dass es hier Zivilisation und Genussmittel wie Birra oder Gelati gibt. Auch gut! Und unser B&B ‚La Paramira‘ inmitten dieses Labyrinthes ist einmal mehr ein Volltreffer. Eine weitere uneingeschränkte Empfehlung!


Die heutige Tour war absolut der Honigtropfen auf dem Geisskäse, allerdings für GTA-Verhältnisse eher oberer Schwierigkeitsgrad. Alle Wege sind sehr gut und ganz neu mit Tritten und Drahtseilen abgesichert. Für alle die das mögen ein absoluter Geheimtipp. Und total einsam, ausser uns sind wir niemandem begegnet.
Um noch die Beine etwas zu vertreten, spazieren wir am Abend in das leicht höher gelegene Dörfchen Castel Vittorio. Italienischer Charme lässt den langen Wandertag versöhnlich ausklingen, so viel haben wir schon erlebt in dieser Woche. Und der Abstieg nach Pigna zeigt das Dörfchen in einem anderen Licht. begleitet von lautstarkem Froschgequake.



Fazit des Tages: Lieber menschlos glücklich durch den Tag als atemlos durch die Nacht.

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1 Kommentar
Maike · Juli 9, 2025 um 00:01
Hi ihr 4,
verfolge jeden Abend euer Tagesfazit und möchte am liebsten gleich wieder loslaufen.
Diese Etappe ist mir auch als ganz besondere in Erinnerung geblieben.
Und die Kommentare und Fotos sind echt super.
Viel Spaß noch für den Endspurt
Liebe Grüße
Mauke ( immer noch auf Korsika)