Das baskische Morgennebelspiel wiederholt sich auch heute. Ein vorläufig letzter Einkauf im Dorf-Almacen und pünktlich mit dem neun-Uhr-Geläut gehts frisch und fröhlich weiter.

Die Kirchenglocke in Elizondo schlägt 9-Uhr beim Losmarschieren
Noch frisches Brot beim Almacen im Dorf einkaufen
Baskisches Morgennebelspiel ist anscheinend Normalität

Wir könnten auch in den Schweizer Voralpen wandern, sanfte Landwirtschaft mit friedlich grasenden Kühen prägt das Bild.

Könnte durchaus auch in den Schweizer Voralpen sein

Bald löst sich der Nebel auf und die Wanderbedingungen sind ideal: angenehme Temperaturen und Weitsicht.

Ideale Wanderbedingungen mit Weitblick

Erstmals überholen wir zwei französische HRP’ler, sie möchten so wie wir bis Gavarnie laufen, geben sich dafür 3 Wochen Zeit. Unser Zeitbudget beschränkt sich auf 14 Tage, somit ist Rumtrödeln keine gute Option.

Der Herbst hat klammheimlich die Hintertüre benutzt, über die Farbtupfer am Wegrand freuen wir uns, doch ansonsten wünschen wir uns schon noch einige Sommertage.

Herbstliche Farbtupfer am Wegrand
¿Qién es el falso magro?
Auch Erika bringt Farbe ins Leben

In Les Aldudes gibts Mittagessen aus dem Fresssack: pain et fromage, de retour en France. 

Die Kirche von Les Aldudes bietet sich als Mittagshalt perfekt an
Eine Kerze für trockenes Wanderwetter

Beim Losmarschieren mit gefüllten Bäuchen fallen schon erste Regentropfen, immer noch guter Dinge montieren wir schon mal unsere Regenschütze.

Hier sind wir noch guter Dinge: mit Schirm, Regenschutz und guter Laune

Doch nicht immer kommt das Gute von Oben, der Regen wird intensiver, teilweise auch mit Windböen. 

Es bleibt ein Tag der Diversitäten: die Wege bieten das ganze Repertoire von Teerstrasse bis zu überwucherten Farnfeldern, mit lieblichen Steigungen bis hin zu gerader Linienführung einfach nur aufwärts. Das Wetter zeigt sich von extrem lieblich bis hin zu garstig. Und alle unsere angedachten Schlafplätze entpuppen sich als unbrauchbar. 

Diverse Landschaften und …
… diverse Bedingungen bringen viel Abwechslung

Am Passübergang Ibañeta ist richtig was los, ab hier teilen wir uns für einen kurzen Abschnitt den Weg mit den Jakobspilgern, nur dass wir ‚falsch rum‘ laufen. Eine Asiatin fragt uns, weshalb wir ‚back‘ gingen und ist ganz erstaunt, dass nicht alle nach Santiago wollen.

Passübergang Ibañeta: die Diversität von Wanderern nimmt sprunghaft zu
Jakobspilger scheuen auch den Regen nicht

Die Zeltplatzsuche gestaltet sich heute unglaublich schwierig, überall weiden massenhaft Tiere. Geht das schon unter Massentierhaltung? irgendwann reift in unseren Köpfen unabhängig voneinander die Möglichkeit, die noch fehlenden 10 km weiter zum unbewarteten Refuge Azpegi zu wandern. Die Regenschonphase hat sich wieder verabschiedet und die nächste Wolkenfront gibt alles. 

Tatsächlich erreichen wir das unbewartete Refuge ziemlich genau 12 Stunden nach Abmarsch in Elizondo gerade beim Eindunkeln, ziemlich nass und erschöpft, und sind einfach froh, endlich ins Trockene zu gelangen. Ein richtiges Sauwetterli, halt HRP = Heute regnets Pindfäden. Da hat‘s die GTA mit dem Gehen – Trinken – Ausruhen-Slogan schon besser.

Der heutige Tag war im wahrsten Sinne des Wortes ein Marathon auf verschiedenen Ebenen: Distanz passt und die Zeit lag uns im Nacken im Kampf gegen Regen und Dunkelheit. Dazu sind 2‘200 Höhenmeter mit schwerem Rucksack zu bedenken. Das tönt eher nach Militär als nach Urlaub!

Heute muss der Koch noch ran, die Batterien sind ziemlich leer nach dieser langen Tour und brauchen eine Nachfüllung Pasta.

Bald werden die Batterien gefüllt
4. Etappe: Elizondo – Rifugio Azpegi

Halleluja: am Morgen regnets nicht mehr und wir sehen wieder, durch welche Landschaften wir hüpfen. Hüpfen trifft‘s gut, auch wenn von Oben im Moment nichts Neues kommt, so ist der Untergrund mit Wasser übersättigt und um einigermassen trockene Füsse zu behalten bleibt oft nur der Hüpfschritt. Dafür sind all die verschiedenen Grün schon beeindruckend, hoffentlich bleibt der so gefürchtete Grünstich aus 😉

Rifugio Azpegi: kein Lieblingsplatz aber einfach nur dankbar für eine trockene Nacht
Das Giftgrüne
Das Moosgrüne
Das Märchengrüne

Die gestrige Monstertour steckt uns noch merklich in den Knochen, wir sind heute deutlich weniger spritzig unterwegs. Und plötzlich steht da wieder ein Pferd und kratzt sich gemütlich an den Hinterbeinen.

Mal ein Pferd dann wieder eine Schafherde, die Begegnung mit Nutztieren ist ein Dauerbrenner. Was ist die Steigerung von verschissenen Wegen? Genau, nasse verschissene Wege.
Wieder einmal umfarnt
Gipfelselfie mit Schaf auf dem Okabe

Aus dem Hüpfen über Pfützen wird ein Hüpfen über Hügel, mehrmals müssen wir nach einem Aufstieg wieder in die Senke. Am Plateau de Size überlegen wir, hier auf dem öffentlichen und sehr einladenden Biwak-Platz zu campieren. Doch das Käse-Bier-Horoskop sagt voraus, dass wir noch die verbleibenden 5 km bis Chalets d’Iraty weiter sollen.

Ob dieser erste Gipfel auf über 2‘000 MüM Morgen möglich sein wird? Oder schlägt der ‚jeden 2. Tag Schlechtwetterbonus‘ wieder zu? Schlafen wir mal drüber und schauen dann Morgen.

Der Pic d‘Orhy steht Morgen an, hoffen wir auf Wanderwetter!

Wir erwischen noch zwei Betten in der sehr ansprechenden Gîte von Chalets d’Iraty und staunen unter der Dusche, wie viel Schmutz wir in zwei Tagen aufgelesen haben. Auch die Kleiderwäsche macht absolut Sinn, wie das Schmutzwasserorakel konstatiert.

Und es ist wirklich eine super Wahl, Orakel voll erfüllt! Es gibt einen richtig unterhaltsamen Abend in Wanderer-Runde mit spannenden Geschichten und lebhaftem Nahrungsmittelhandel.

Es wird ein lustiger Abend in der Gîte d‘Étappe von Chalets d‘Iraty
5. Etappe: Rifugio Azpegi – Chalets d‘Iraty

Losmarschieren mit trockenen Schuhen verleiht dem Start in den Tag doch gleich eine komplett andere Geschmacksrichtung. Zudem soll es heute endlich auch etwas bergiger und der Pic d‘Orhy unser Highlight des Tages werden.

Die Nebeldecke drückt uns jedoch beinahe die gute Laune in den Boden, dazu nieselt es ganz fein. Macht es trotzdem Spass, über den Pic d‘Orhy zu steigen?

Die Nebeldecke drückt beinahe die gute Laune in den Boden

Es wird zwar etwas heller im Verlauf, aber unser Pic verharrt incognito, so kippen wir ihn ganz einfach aus dem Programm und gehen unten durch.

Ein Rudel Gämsen zeichnet ihre eleganten Silhouetten in unser Blickfeld und sie werden zugleich durch unser Aufschrecken bald vom Nebel verschluckt. Auch für uns ist es Zeit etwas zu schlucken, doch kaum sitzen wir, gehts auch wieder mit Nieselregen los.

Die Gämsen zeichnen ihre grazilen Silhouetten
Kaum sitzen wir um auch etwas zu schlucken, beginnt es wieder zu nieseln

Hätten wir eine Wanderung durch Nebelgebiete gewollt, wären wir in die Highlands von Schottland gereist. Aber jetzt sind wir in den Pyrenäen und machen das Beste daraus.

Der Nebel ist unser ständiger Begleiter
Wie ‚Gorillas oder auch andere Affen in the mist‘
Ein wenig trauern wir der Überschreitung über den Pic d‘Orhy schon nach, auch wenn auf dieser Tafel darauf hingewiesen wird, dass wir uns in Nebelzone befinden, tröstet wenig

Immerhin regnets heute nicht in Pindfäden und am Nachmittag reisst der Himmel sogar wieder auf.

Am Nachmittag reisst der Himmel zum Glück wieder auf
Die Stimmungen sind imposant, trösten jedoch nur bedingt über die nassen Füsse hinweg
Hoffentlich kreisen die zahlreichen Geier ohne Absicht über uns
Auch hier weiden überall Tiere, Nebel oder Regen stört sie nicht wirklich
Ausblick in die nächsten Etappen: Die Pyrenäen werden nun bergiger
Das Rifugio Belagua hat nich nur schönes Wasser sondern auch eine Dusche, Bier und Essen, das hebt die Stimmung deutlich

Wir sind tatsächlich etwas genervt von Niederschlag und Nässe. Aber wir geben noch nicht auf, Morgen geht‘s dann richtig in die Bergen. Aber alles lassen wir uns nicht gefallen, auch nicht vom Wetter.

Versöhnlicher Abend mit Sonnenuntergang beim Blog-Schreiben

In fünf Wandertagen haben wir nun 150 Kilometer abgespult, das unbeständige Wetter wirkt wie ein Viehtreiber. Hoffentlich können wir für die verbleibenden 130 Kilometer noch in den Gemussmodus wechseln, es sind ja unsere langen Ferien.

Hasta la próxima, wir halten euch auf dem Laufenden während wir laufen.

6. Etappe: Chalets d‘Iraty – Refugio Belagua

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1 Kommentar

Helen Epoenberger · September 15, 2025 um 22:42

Hoi ihr Zwei, wow super Durchhaltewillen mit der ‚kleinen Belohnung‘ von mystisch, tollen Bildern, die ihre Wirkung wahrscheinlich erst mal in der warmen Stube voll entfalten. Wünsche euch von Herzen, warme, sonnige Tag mit Weitblick und das sich die Pyrenäen von der lieblichen Seite zeigen.
Helen

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